Warum Jura?

 

I. Sinn und Zweck der Rechtswissenschaften

Die Rechtswissenschaften sind eine der vier klassischen Universitätsdisziplinen und beschäftigen sich als Teilbereich der Gesellschaftswissenschaften damit, menschliches Zusammenleben zu koordinieren und dabei gesellschaftliche Konflikte entweder zu vermeiden oder zu lösen, wenn sie doch eintreten sollten. Kennzeichnend sind dabei die generelle Rechtsgültigkeit der Gesetze gegenüber jedermann sowie die Verbindlichkeit gerichtlicher Entscheidungen. Die Wissenschaft umfasst einen nahezu unermesslichen Bereich, von dem im Studium neben den Pflichtfächern auch die geschichtlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen, rechtsphilosophischen und europarechtlichen Grundlagen behandelt werden.

 

II. Studieninhalte

In den ersten Semestern wird den Studierenden ein Einblick in die Grundlagen des Rechts gegeben. Neben Aspekte des Strafrechts treten Grundzüge des Zivilrechts, welches das private Interagieren verschiedener Rechtsträger regelt. Die dritte Säule in Gestalt des öffentlichen Rechts umfasst zu Beginn des Studiums das Verfassungsrecht.

Im weiteren Verlauf treten neben diese drei Kerngebiete weitere Rechtsgebiete. Beispiele hierfür sind die besonderen Teile des Strafgesetzbuches, das Strafprozessrecht, Familienrecht, Erbrecht, Handels- und Gesellschaftsrecht, Arbeitsrecht, Zivilprozessrecht sowie Baurecht, Kommunalrecht, Sicherheits- und Polizeirecht, Europarecht und das Verwaltungsprozessrecht. Im Rahmen der Schwerpunktbereiche werden weitere Rechtsgebiete behandelt, darunter internationales Recht, Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht, Unternehmens- und Steuerrecht, Arbeits- und Unternehmensrecht, öffentliches Wirtschaftsrecht, Wirtschafts-, Medizin- und Steuerstrafrecht sowie das Verbraucherrecht. Die Wahl des Schwerpunktbereiches liegt bei den Studierenden selbst, so dass sich jeder nach seiner Neigung und Vorliebe spezialisieren kann.

Gegen Ende des Studiums erfolgt die Examensvorbereitung, die den gesamten Stoff von den Grundlagen bis hin zur Spezialisierung umfasst und nochmals aufarbeitet.

 

III. Juristische Arbeitsmethode

Ausgangspunkt für juristisches Arbeiten ist stets die Erfassung des eigentlichen Problems. Oftmals werden Streitigkeiten von den unterschiedlichen Beteiligten sehr subjektiv und teilweise unvollständig dargestellt, was durch die Tatsache, dass zwischen juristisch Relevantem und Irrelevantem nicht unterschieden wird, zusätzlich erschwert wird. Aufgabe des Juristen ist es also, den Sachverhalt so zu erfassen, dass er alle relevanten Umstände des Falles kennt. Dieses Nachfragen und Erfassen der relevanten Umstände wird oftmals - zu Unrecht - als "typisch juristisch trockene Arbeit" verkannt. Tatsächlich stellt dieses "Herausschälen" von Fakten aus einem umfassenderen Vorgang eine spannende Aufgabe dar, die Juristen ganz neue Bereiche und Aufgabenfelder vor Augen führt.

In einem zweiten Schritt gilt es zu überlegen, wie das nunmehr ermittelte Problem gelöst werden kann. Dazu ist eine sowohl breite als auch systematisch tiefgehende Kenntnis der Rechtsmaterie unabdingbar. Dies ist darin begründet, dass nur durch das Zusammenspiel verschiedener Vorschriften und teilweise auch verschiedener Regelungsmaterien ein Problem juristisch umfassend bewertet werden kann.

Ist die einschlägige Regelung gefunden, muss diese noch an den konkreten Einzelfall angepasst werden, da Rechtsnormen generelle und abstrakte Regelungen darstellen und nicht ohne weiteres auf den zu lösenden Fall zugeschnitten sind. Auch dabei ist der Jurist gefordert, mit dem nötigen Fingerspitzengefühl die durch das Gesetz eröffnete Rechtsfolge interessengerecht auszudifferenzieren.

Insofern erfordert juristisches Arbeiten auf allen Ebenen der Problemlösung abstraktes Denkvermögen und als Kernfertigkeit den sicheren Umgang mit der deutschen Sprache, da ansonsten Problemkreise wie Lösungen nicht hinreichend abgegrenzt werden können.

 

IV. Berufsbilder

Juristische Berufe haben nach wie vor einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Das ist auch berechtigt, da das Studium besondere Fertigkeiten und Fähigkeiten vermittelt. Abstraktes und analytisches Denken, die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und eine umfassende, interdisziplinäre Kenntnis des Rechts sind beste Voraussetzungen für Führungspositionen. Abgerundet werden diese Befähigungen durch eine fachspezifische Fremdsprachenausbildung sowie - fakultativ - durch die für die Bayreuther Juristenausbildung besonderen Zusatzqualifikationen in Gestalt der wirtschaftswissenschaftlichen Zusatzausbildung (WiwiZ) bzw. dem technikwissenschaftlichen Zusatzstudium (TeWiZ).

Dies gilt unabhängig davon, ob später klassische juristische Berufe ergriffen werden, wie z. B. Richter, Rechtsanwalt, Staatsanwalt oder Verwaltungsjurist oder einer der zahlreichen, vielleicht weniger bekannten Berufe, wie die Arbeit in Verbänden, Wirtschaft, Unternehmensberatung oder Steuerprüfung.

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